Die alte Dame und die Bahn

Wir saßen am Frankfurter Bahnhof. Eine alte Frau, 81, wie sie mir erzählt, steht vor uns, schaut sich um. Ich ziehe meine Kleine auf meinen Schoß und biete der Dame einen Platz an. Mehrfach verneint sie dies, weil sie ja noch rüstig genug zum stehen ist. Schliesslich gibt sie nach und setzt sich.
Sie erzählt mir direkt, dass sie 20 km entfernt mit der Bahn auf den Wochenmarkt gefahren ist um sich einen Salat zu kaufen.
Auf die Frage, ob sie nur deshalb den weiten Weg auf sich genommen hat lacht sie.

„Mei Bub, ich wollt ach nur e mol bisschen gugge. Ich duhn doch nit nur wesche ´nem Salat hier her fahre“!

Hessischer Dialekt. Alt und schön gesprochen.

Sie erzählt, dass sie sonst niemanden hat. Der Salat wird heute Abend zubereitet mit ein paar Eiern. „Awa nix weiches. Die misse mo mindestens 10 minudde koche. Dann schee ä paar Radiesja und Tomadde dra und schon hon ich e schmagghaftes Ohmendesse!“

Sie lacht, als ich lachen muss.

Wir reden kurz über den Stress der heutigen Zeit und das jeder von links nach rechts jagt.

Dass keiner mehr Zeit hat. Ich stimme ihr zu. Sie hat recht.

Dann kommt unsere Bahn, ich verabschiede mich freundlich und hetze los.

 

 

 

Ein Gedanke zu “Die alte Dame und die Bahn

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